Manx Katzen im 19. Jahrhundert Picture

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[Übersetzt von Kerstin Mares, The Tiny Sphinx Cattery]

Das Folgende ist ein Auszug aus dem Buch "Our Cats", geschrieben von Harrison Weir 1889. Harrison Weir war derjenige der die erste Katzenausstellung in England, im Kristallpalast in London 1871, oranisierte. Er war auch derjenige der die ersten Standards für die unterschiedlichen Arten von Katzen schrieb. Er machte auch die Zeichnungen der Manx Katzen weiter unten.

Zu beachten ist, dass zu der Zeit das Wissen über Genetik stark eingeschränkt war. Deswegen mussten sich damals Züchter auf Rassenreinheit verlassen, um Rückschläge beim Fell, bei der Farbe oder beim Typ zu vermeiden.

Ulrika Olsson, 2003

Die Manx Katze

Die Manx Katze ist allgemein bekannt und keinesfalls ungewöhnlich. Sie unterscheidet sich von der normalen Hauskatze hauptsächlich dadurch, dass sie schwanzlos ist, oder zumindest fast schwanzlos, die Besten haben gar keinen. Die Hinterfüße sind dicker und um einiges länger, speziell die Oberschenkel. Sie läuft mehr wie ein Feldhase als wie eine Katze, da die Bewegungen der Beine unbeholfen sind. Sie kann sich auch nicht so einfach umdrehen, zumindest nicht mit der erwarteten Geschwindigkeit und Mühelosigkeit. Der Kopf ist ziemlich klein für die Größe der Katze, jedoch dick und auf einen langen Hals gesetzt. Die Augen sind groß, rund und voll, die Ohren von mittlerer Größe und an der Spitze ziemlich rund. Die Farbe variiert, aber ich kann mich nicht erinnern eine weiße oder viele schwarze gesehen zu haben, obwohl eine der besten die ich gesehen habe von letzterer Farbe war.

Manx Cat

Ich habe einige Exemplare untersucht, die zu der Ausstellung im Kristallpalast und zu anderen Katzenausstellungen geschickt wurden, und fand bei einigen einen kurzen, dünnen und verdrehten Schwanz, bei anderen nichts als eine Wucherung, und einige mit einer Gliedmaße eher wie ein Knoten. Ich habe angenommen, dass diese operiert wurden und der Schwanz entfernt wurde als sie noch jung waren. Aber das mag nicht der Fall gewesen sein, da Mr. St. George Mivart in seinem wertvollen Buch über Katzen einen Fall erwähnt hat, bei dem eine weibliche Katze einen so schwer verletzten Schwanz hatte, weil er vom Rad eines Wagens überfahren wurde, dass ihr Herrchen sich entschieden hatte, dass es wohl das Beste sei ihn gleich beim Ansatz abzutrennen. Danach hatte sie zwei Würfe und in jedem Wurf gab es ein oder mehrere Babys die nur einen Schwanzstumpf hatten, während ihre Brüder und Schwestern Schwänze mit normaler Länge hatten. Die zweifelnde Rückfrage ist : Waren da keine Manx Katzen in der Nachbarschaft? Dieser Fall ist analog zu der Aussage, dass die kurzschwänzigen Schäferhunde von Elterntieren abstammen denen der Schwanz amputiert wurde, und trotzdem sind sie heute eine anerkannte Rasse. Ebenso eine kleine Rasse von schwarzen Hunden aus den Niederlanden, die heute sehr in Mode sind, die sogenannten "Chipperkes" die auch keinen Schwanz haben, zumindest wenn sie ausgestellt werden.

Mr. St. George Mivart hat weiters erklärt, dass Mr. Bartlett ihm erzählt hat, ebenso wie er es mir breichtete, dass die Katzen auf der Insel Man unterschiedliche Schwanzlängen haben, zwischen gar keinem bis zu 10 inches Länge. Aus zuverlässiger Quelle weiß ich, dass bei Fox Terrier Hunden, die ausnahmlos (aus modischen Gründen) die Schwänze gekürzt haben, manchmal Hundebabys mit wesentlich kürzeren Schwänzen auf die Welt kommen als in der ursprünglichen Rasse. Dies scheint jedoch bei Schafen keine Auswirkung zu haben, deren Schwänze generell entfernt werden. Ich selbst kann nicht behaupten, dass dies der Grund ist für die Entstehung der Manx Katze.

Wie auch immer, eine Sache ist sicher: wenn man Manx Katzen mit anderen Katzen verpaart ist der Nachwuchs oft schwanzlos. Als Beweis hierfür hatte beispielsweise Herr Herbert Young, of Harrogate, eine sehr schöne rote Langhaarkätzin ohne Schwanz in seinem Besitz, die aus einer Verpaarung zwischen einer Manx und einer Perserkatze stammte. Noch ein Beispiel der die starke genetische Durchschlagskraft der Manx Katze zeigt. Herr Hodgkin, of Eridge, bekam vor einiger Zeit eine weibliche Manx Katze. Nicht nur dass diese Kätzin verpaart mit normalen Katzen schwanzlosen Nachwuchs hatte, auch dieser Nachwuchs, wieder mit normalen Katzen gekreuzt, hatte noch häufig Würfe in denen es einige schwanzlose Babys gab.

Man hat mir auch berichtet, dass es in Cornwall eine Rasse schwanzloser Katzen gibt.

Herr Darwin erklärt in seinem Buch "The Variation of Animals and Plants under Domestication", vol. i. p.47, "über eine gesamte riesige Region, genauer gesagt das malaysische Archipel, haben alle Katzen der Rassen Siam, Pequan und Burma den Schwanz ca. um die Hälfte kürzer als normal, oft mit einer Art Knoten am Ende". Diese Beschreibung stimmt ein wenig mit dem Erscheinungsbild einiger Siamkatzen überein die importiert wurden. Einige davon haben, obwohl ziemlich lange und dünne Schwänze und obwohl mit ziemlich spitzen Schwanzenden, doch ziemlich oft einen Bruch oder einen Knick im Schwanz. In einer Anmerkung sagt Herr Darwin "Der Madagaskarkatze wird nachgesagt einen verwundenen Schwanz zu haben". (Nachzulesen in der Encyclop. Nat. Mamm., 1820, p.233, für einige andere Rassen.) Was die Malaykatze betrifft bestätigt Herr St. George Mivart diese Aussage. Er sagt, dass der Schwanz nur die halb so lang wie normal ist und manchmal in eine Knoten verdreht, so dass er nicht ausgestreckt werden kann. Er berichtet weiters, dass "diese Verdrehung aufgrund der Deformation der Knochen des Schwanzes" besteht und dass es in Krim eine Rasse schwanzloser Katzen gibt.

Einige der Manxkatzen die ich untersucht habe, haben genau die Art von Schwanz die hier beschrieben wurde - dünn, sehr kurz, verdreht und kann nicht ausgestreckt werden. Ist es möglich dass die Manx Katze gleichen Ursprungs wie die malaiische Katze ist? Oder handelt es sich um eine Laune der Natur die durch Selektion aufrechterhalten wurde?

Wie auch immer, die Manxkatze ist heute eine eigenständige Rasse, die, wenn sie mit anderen gekreuzt wird, fast immer einige völlig schwanzlose Nachkommen hervorbringt, wenn nicht sogar alle. Viele der hier gezüchteten Siam Babys haben einen Knick im Schwanz.

Manx Kitten

Die Abbildung zeigt einen Gewinner vom Kristallpalast 1880, 1881 und 1882, die im Besitz von Herrn J.M. Thomas aus der Parlamentstraße ist. Die Farbe ist gestreift schildpatt. Die Katze ist acht Jahre alt. Zum Schluss gebe ich auch noch eine Beschreibung eines ihrer Babys, eines getigerten. Beide sind wahre Manxkatzen, keine der beiden hat auch nur eine Spur von einem Schwanz, nur ein kleines Büschel Haare ohne Knochen. Das Hinterteil ist quadratisch und tief, im Kontrast zu anderen Katzen, die Flanken tiefer, was einen Eindruck von großer Stärke vermittelt, die Hinterbeine sind länger und dicker im Verhältnis zu den Vorderbeinen, welche zierlicher sind und sich verjüngen, sogar die Zehen sind kleiner. Der Kopf ist rund für ein Weibchen, die Ohren ziemlich groß und spitz, aber dünn und nur leicht behaart, im Ohrinnenraum ist wesentlich weniger Behaarung (ebenfalls eine Eigenschaft der Siamkatzen) als bei anderen Kurzhaarkatzen, der Hals ist kurz und dünn, ebenso die Schultern. Ihre Gewohnheiten sind die gleichen wie bei den meisten anderen Katzen. Ich möchte hinzufügen, dass Mr. Thomas, welcher ein alter Freund von mir ist, diese Rasse viele Jahre hatte und sie vollkommen reinrassig hielt.