Zucht zur Vermeidung genetischer Krankheiten Picture

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[Übersetzt von Petra Hartmann, Helkenberg cattery]

Von Ulrika Olsson

Das Risiko genetischer Krankheiten ist eine Sache die zwischen Züchtern, den verschiedenen Katzenvereinen und Dachverbänden mehr und mehr diskutiert wird. Natürlich wollen wir alle, daß unsere Katzen gesund sind. Doch noch immer treten hier und da genetische Defekte bei unterschiedlichen Rassen auf. Warum ist das so? Was können wir dagegen tun? Man braucht ein wenig Wissen über die Basis der Genetik einer Katzenpopulation um zu verstehen, was mit unserer Zucht passiert wenn diese genetischen "Epidemien" auftauchenen und bei dem Versuch sie zu kontrollieren.

Ein wichtiges Wort: GEN FREQUENZ (Häufigkeit)

Nehmen wir das Gen für verdünnte Farbe als Beispiel. Nehmen wir an, wir haben eine Zuchtpopulation von 100 Katzen. Da jede Katze einen doppelten Chromosomensatz hat, verfügt diese Population über 200 Loki (Genorte) für das Verdünnungsgen - d.h. 200 Orte wo das D- oder d-Gen plaziert sein kann. Nehmen wir nun an, daß 40 dieser Loki (Orte) gefüllt sind mit einem d-Gen, während die restlichen 160 gefüllt sind mit dem D-Gen. Dann errechnet sich die Gen Frequenz für das d-Gen für diese Population: 40/200 = 0,20 = 20%. Gleichermassen berechnet sich die Gen Frequenz für D: 160/200 = 0,80 = 80%.

Falls nun gewisse Gleichgewichtskriterien (Hardy-Weinberg Gleichgewicht) erfüllt sind - was in der Realität nie vollständig der Fall ist, doch darum kümmern wir uns im Moment nicht - dann ist die Wahrscheinlichkeit, daß zwei d-Gene in einem Individuum zusammentreffen und in einem blauen Kitten resultieren 20% x 20% = 0,20 x 0,20 = 0,04 = 4%.

Die Wahrscheinlichkeit für ein Kitten dieser Population das ein Verdünnungsträger ist (heterozygot, mischerbig) berechnet sich 20% x 80% + 80% x 20% (Die Wahrscheinlichkeit eines d-Gens auf einem bestimmten der beiden Chromosomen X die Wahrscheinlichkeit eines D-Gens auf dem anderen Chromosom + Die Wahrscheinlichkeit eines d-Gens auf dem „anderen“ Chromosom + Die Wahrscheinlichkeit eines D-Gens im wiederum „ersten“ Chromosom) = 2 x (0,20 x 0,80) = 0,32 = 32%.

Die Wahrscheinlichkeit für ein Kitten dieser Population das homozygot schwarz ist (nicht verdünnt), DD, ist 80% x 80% = 0,80 x 0,80 = 0,64 = 64%.

Betrachten wir das Ganze nun aus der entgegengesetzten Richtung. Nehmen wir an wir hätten herausgefunden, daß 16% der Population PRA hat. Wir könnten nun annehmen, daß die o.g. Gleichgewichtskriterien erfüllt sind (und unter anderem annehmen, daß die Population nicht in zwei Linien geteilt ist), dann könnten wir die Gen Frequenz des rezessiven PRA-Gens einschätzen. Nennen wir diese Gen Frequenz f. Dann wissen wir, daß f x f = 0,16 ist. Dann lösen wir einfach die Gleichung. f = die Quadratwurzel aus 0,16. f = 0,40 = 40%.

Wir können jetzt auch die Proportion an heterogenen Trägern des PRA-Gens einschätzen: (0,40 x 0,60) + (0,60 x 0,40) = 2 x (0,40 x 0,60) = 48%. Sehr praktisch, nicht wahr? Nun weiter zum Bereich Gen-Pool und Inzucht. Ein sehr interessanter Bereich!

Effektive Population

Die Tatsache, daß einige Rassen eine größere Population haben als andere und auch die Tatsache, daß ein Gen-Pool bei einer Rasse mit kleinerer Population zu begrenzt sein kann, ist den meisten Züchtern bekannt. Aber viel zu viele Züchter fühlen sich darin sicher, daß die großen Rassen, wie zum Beispiel Perser und Heilige Birma, einen Genpool haben der groß genug sei. Kein Risiko von Inzuchtproblemen vorhanden, es sei denn Sie entscheiden sich bewußt Inzucht in einer Linie zu betreiben! Aber das trifft nicht immer zu.

Wir diskutieren manchmal die Tatsache, daß übermässige Zucht mit wenigen hervorstechenden Individuen schädlich ist für Rassen, selbst für die größeren. Die extremste überzüchtung die wir uns von einem Individuum vorstellen können ist die eines Männchens, das alle Weibchen einer Population in einer Generation deckt. Mit dieser Art der Zucht wird der Genpool sicher nicht groß sein, selbst wenn die Population über 1000 unverwandte Weibchen verfügt. Um eine bessere Vorstellung davon zu bekommen WIE groß der Genpool nun wirklich ist in solch einem Fall, könnten wir die effektive Population einmal berechnen. Wenn die Population 100 Individuen umfasst mit einer gleichen Anzahl Männchen und Weibchen die untereinander willkürlich verpaart werden mit der gleichen Anzahl von Nachkommen von jedem Elternteil, dann ist die EFFEKTIVE Population auch 100. Auf der anderen Seite, mit der extremen überzüchtung mit einem Männchen, wie oben beschrieben, können wir die effektive Population mit der folgenden Formel berechnen:


       1        1        1

      ---- = ------ + -------

       Ne    4 x Nm    4 x Nf

 

Ne = Die effektive Population, Nm = Anzahl der Männchen, Nf = Anzahl der Weibchen.

In unserem Fall:


       1       1         1

      ---- = ----- + --------

       Ne    4 x 1   4 x 1000



       1      1     1

      ---- = --- + ----

       Ne     4    4000



       1     1001

      ---- = ----

       Ne    4000



       Ne    4000

      ---- = ----

       1     1001



      Ne = 3,996

So kommt diese große Population - 1001 Tiere, für die Zucht eingesetzt - einer Population gleich von nur 2 Männchen und 2 Weibchen!

Allgemein gesprochen: Die effektive Population wird nicht grösser sein als 4 mal die Anzahl von Individuen des am geringsten vorhandenen Geschlechtes. (Es sei denn Sie haben ein Zuchtprogramm aufgestellt das ausdrücklich dazu entworfen wurde genetische Variationen zu verlieren, aber das ist sehr selten der Fall in der Katzenzucht) Dies bedeutet, daß, falls 5 Männchen verwendet werden, die effektive Population nicht mehr sein wird als 4 x 5 = 20, selbst wenn wir eine Million verschiedene Weibchen für das Zuchtprogramm einsetzen würden.

In Wirklichkeit ist es natürlich selten der Fall, daß 5 Männchen eingesetzt werden für genauso viele Würfe und die verbleibenden Männchen der Population würden überhaupt nicht für die Zucht eingesetzt. Dann wird es ein wenig schwierig diese Formel einzusetzen. Aber keine Sorge! Es gibt andere Methoden!

Eine zu kleine effektive Population bedingt den Anstieg des Inzuchtgrades für jede Generation. Es gibt eine Verbindung zwischen Inzucht und effektiver Population. Wenn wir diese Verbindung ausnutzen, sind wir in der Lage die effektive Population unserer Katzenrassen zu berechnen. Wir können unsere Stammbäume verwenden um den Inzuchtkoeffizient zu berechnen, den COI. Der einfachste Weg dies zu tun ist, den Stammbaum in ein gutes Stammbaumprogramm einzugeben das in der Lage ist den COI zu berechnen. Es ist auch möglich ihn per Hand zu errechnen. Es ist überhaupt nicht schwer, aber wenn die Verwandtschaftsgrade kompliziert sind und Sie den COI für viele Generationen berechnen wollen, ist das sehr zeitaufwendig und es gibt ein erhebliches Risiko irgendwo auf dem Weg einen kleinen Fehler zu machen. Wie auch immer, wenn die Verwandtschaftsverhältnisse einfach sind und die Anzahl der zu berechnenden Generationen angemessen ist, könnten Sie den COI schnell direkt aus dem Stammbaum errechnen. Es ist wirklich eine gute Sache zu wissen wie man das macht! Es sind viele Artikel erschienen mit dem Ziel zu erklären WIE.

Wenn wir eine effektive Population berechnen wollen von einer bestimmten Rasse in einem bestimmten Land, zum Beispiel die Cornish Rex, bräuchten wir zuerst eine Datei oder eine Datenbank mit den Stammbäumen der Cornish Rex in dem gewählten Land. Aus dieser Datenbank nehmen wir uns die Würfe die während des aktuellsten Jahres geboren wurden heraus. Falls es sehr viele Würfe gibt, kann eine Mustermenge mit der erwünschten Anzahl Würfen willkürlich aus den Würfen selektiert werden. Dann berechnen wir den COI für diese Würfe, zum Beispiel berechnet für 5 Generationen. Nehmen Sie den Mittelwert dieser COI's und verwahren Sie ihn für später. Dann nehmen wir alle Eltern unserer selektierten Würfe und berechnen deren COI, nur daß wir jetzt den COI mit einer Generation weniger berechnen - in unserem Fall 4 Generationen. Jetzt nehmen wir den Mittelwert von diesen COI's. Nehmen wir an wir erhielten einen Mittelwert von 5,5% für die Würfe und einen Mittelwert von 4,5% für die Eltern der Würfe. Nehmen wir nun die Differenz dieser beiden Zahlen 5,5% - 4,5% = 1,0 Prozentpunkt. Uns interessiert der Prozentwert mit welchem der Grad der Mischerbigkeit in dieser Generation verringert worden ist, und das ist nun 0,01/(1-0,045) = 0,01047, oder 1, 047%. Dann haben wir eine weitere Formel:


              1

      Ne = ------

           2 x dF

... wenn Ne die effektive Population ist, und dF der Rückgang von Mischerbigkeit in der jüngsten Generation, wie oben berechnet.

In unserem Beispiel, mit dF = 1,047% = 0,01047, erhalten wir:


                1

      Ne = ----------- = 47,76

           2 x 0,01047

Die effektive Population der Cornish Rex wäre dann in unserem Beispiel 48. Es wird allgemein angenommen, daß eine effektive Population von 50 die Grenze ist wenn von einer Spezies angenommen wird sie sei direkt vom Aussterben bedroht.Nun sind unsere Katzenrassen natürlich keine gesonderten Arten aber mit geschlossenen Zuchtbüchern wird der Effekt der gleiche sein.

Nun könnte es der Fall sein, daß die Cornish Rex in unserer Population in einem größeren Maße ingezüchtet ist als wirklich nötig, nur weil die Züchter in kleinere Gruppen getrennt sind und die Katzen in unterschiedlichen Linien züchten. Möglicherweise könnte unsere effektive Population größer sein wenn diese Trennung in Linien nicht existierte? Wie kann man dies nachprüfen?

Dazu gehen wir zurück zu der Gruppe von Eltern der Würfe in unserem Beispiel, teilen sie auf in Männchen und Weibchen und testverpaaren sie willkürlich. Die COIs dieser willkürlichen Verpaarungen werden berechnet, wir berechnen den Durchschnittswert und vergleichen dann diesen Wert noch einmal mit dem Durchschnittswert des COI's der Eltern. Nehmen wir an, daß die Zufallsverpaarungen einen Durchschnittswert von 5,0% haben. Dann ist dF = (0,05-0,045)/(1-0,045) = 0,005236 = 0,5236%. Und...


                1

      Ne = ------------ = 95,49

           2 x 0,005236

Folglich könnte sich die effektive Population in diesem Fall auf einer wesentlich angemesseneren Ebene befinden wenn wir nur eine bessere Zusammenarbeit unter den Züchtern in dem Land erreichen könnten.

Was passiert wenn die effektive Population zu klein ist?

Eine Sache die passieren kann ist, daß der Inzuchtkoeffizient mit jeder Generation anwächst. Tatsächlich passiert das ALLEN Populationen mit nicht unbegrenzter Größe. Aber dann arbeitet wahrscheinlich die natürliche Selektion gegen eine Vermehrung von ingezüchteten Individuen, sodaß ein akzeptables niedriges Wachstum der Inzucht reguliert wird und ein Status Quo erhalten bleibt. Es ist auch bekannt, daß eine größere Anzahl von Eizellen befruchtet werden als die Anzahl der Nachkommen die letztendlich in einem Wurf geboren werden und eine Theorie ist, daß diese frühen Föten im Uterus um ihren Platz "kämpfen" müssen und daß es für die eher homozygoten Föten weniger wahrscheinlich ist zu überleben. Jedoch ist diese Theorie nicht als wahr bewiesen.

Was geschieht, wenn der Inzuchtkoeffizient von Generation zu Generation steigt. Am Anfang noch nicht viel. Es ist nicht so, bis der Grad an Gleicherbigkeit ein bestimmte kritische Ebene erreicht, daß richtige Probleme auftauchen und dadurch ist es für gewöhnlich sehr viel schwieriger korrigierend einzugreifen. Es ist wesentlich besser mit der Arbeit gegen diese Probleme zu beginnen bevor die Symptome auftauchen. Das pädagogische Problem ist dann natürlich, daß jene die mit zu wenigen Individuen anfangen zu züchten nicht sofort die Probleme sehen werden die es zur Folge hat. Sie denken, "Ich habe auf diese Art viele Tiere gezüchtet und hatte keinerlei Probleme". Aber wie wir sehen können, ist "Ausprobieren (trial and error)" hier kein guter Ansatz! Wenn "error" erscheint, ist es etwas spät auf einfachem Weg zu regulieren.

Warum denn ist Inzucht so gefährlich? Eine Sache - von der jeder geschulte Züchter weiß - ist, daß es ein erhöhtes Risiko bedeutet schädliche oder letal rezessive Gene zu verdoppeln. Der doppelte Chromosomensatz schützt uns in einer Population die nicht zu ingezüchtet ist ansonsten in großem Maße vor diesem Risiko. Alle Individuen tragen eine geringe Anzahl schädliche rezessive Gene. Einige Leute denken, daß Inzucht die gefährlichen Rezessiven ausräumt und zu einer gesunderen Zucht in der Zukunft führt. Aber erst einmal entfernt die Inzucht alleine gar nichts. Sie muß kombiniert werden mit einer strengen Selektion um jegliche unerwünschten Gene zu entfernen. Zweitens, Sie müssen unglaublich stark inzüchten um alle oder fast alle Loki (Genorte) homozygot zu bekommen, damit Sie sehen können was die Katzen tragen und all die unerwünschten Gene aussondern können. Verpaaren Sie eine Katze mit ihrem Vollbruder und 25% aller Genorte sind homozygot. Dann verpaaren Sie 2 ihrer Nachkommen mit einander und 37,5% ihrer Genorte sind homozygot. Dann nehmen wir zwei von DEREN Nachkommen und verpaaren sie miteinander! Jetzt ist die Inzucht so stark daß die meisten Züchter zurückweichen würden. Aber immernoch sind "nur" 50% der Genorte homozygot. Also trotz dieser drastischen Inzucht werden wir versäumen andere rezessive, potentiell schädliche Gene freizulegen.

Nehmen wir aber mal an wir könnten alle damit umgehen! Wir züchten mit ständiger strengen Selektion auf schädliche Gene eine Linie hin zu 100% Reinerbigkeit. Alle Individuen werden dann exakt den gleichen Genotyp haben, ausgenommen die Tatsache, daß die Männchen ein Y-Chromosom dort haben wo die Weibchen ein zweites X-Chromosom.

OK, es kostete eine Menge Anstrengung und Geld um diese sogenannte "isogene (gleichgenig) Linie" zu erschaffen und viele Katzen starben auf dem Weg dorthin. Aber wenn wir es nun am Ende bis zu diesem Punkt geschafft haben, dann haben wir eine Linie die 100%ig gesund ist vom genetischen Standpunkt aus gesehen! Yippeeee!!!

Es ist möglich; man kann es schaffen wenn Sie aufpassen, daß das Niveau der Reinerbigkeit nicht schneller steigt als Sie es schaffen können schlechte Gene auszumerzen. Dies wurde mit Mäusen gemacht die für wissenschaftliche Tests eingesetzt werden. Es klappt sehr gut! Aber... man schafft es nur, daß ungefähr eine von 20 Linien überlebt. Die anderen 19 Linien sterben im Laufe der Zeit. Vielleicht besser nicht diese Möglichkeit nutzen?

Ausserdem ist das Imunsystem bei homozygoten Individuen nicht sehr gut. Das Immunsystem arbeitet wesentlich besser wenn die betroffenen Genorte heterozygot (mischerbig) sind, da dies dem Individuum ermöglicht mehr und UNTERSCHIEDLICHE Arten von Antikörpern zu bilden und nicht nur Mengen des GLEICHEN Antikörpers. Dies ist natürlich kein Hauptproblem für Labormäuse, da ihre Umgebung ziemlich geschützt ist vor (unerwünschten) ansteckenden Krankheiten und es (leider) keine Tragödie ist, wenn eine Labormaus stirbt. Wenn anderseits eine geliebte Hauskatze und Familienmitglied stirbt, stimmt dies in der Tat sehr traurig. Hmmm... Vielleicht doch nicht so eine gute Idee?!

Und obendrein geschehen spontan Mutationen die mit der Zeit unseren schönen Genotyp zerstören würden. Sie müssen mit einer bis zwei neuen Mutationen in jedem Individuum rechnen.

Ich denke wir sollten besser unsere Strategie ändern!

Aber was wenn die Rasse schon ingezüchtet ist?

Wenn eine Rasse oder Population schon so ingezüchtet ist, daß klare Anzeichen von Inzuchtdepression zu erkennen sind, z.B. eine hohe Rate von frühzeitigem Krebs oder Infektionen, was dann?

Falls es nichtverwandte Linien in anderen Ländern gibt, wäre es natürlich die beste Lösung den Austausch von Katzen zwischen diesen Ländern zu steigern. Falls solche nichtverwandten Linien nicht verfügbar sind, müssen wir einen Outcross mit einer anderen Rasse oder nicht registrierten Katzen machen, die dem Standard annehmbar gut entsprechen. Wenn ausreichend neue Gene in die Population gemischt sind, wird das Inzuchtproblem gelöst sein.

Ein nicht ungewöhnlicher Einwand gegen diese Art der Lösung ist, daß wir nicht wissen welche schädlichen Rezessive durch diesen Outcross in unsere Rasse eingebracht worden sein könnten. Das ist wahr, wir wissen es nicht. Was wir jedoch wissen ist, daß die meisten Individuen einige schädliche rezessive Gene tragen. Viele Züchter denken auch daß es besser ist eine mehr ingezüchtete Population zu haben, abzüglich der verschiedener Arten von genetischen Krankheiten, um sie leichter kontrollieren zu können. Vielleicht sind sogar Tests vorhanden für solche Krankheiten. Aber wie wir unten sehen werden ist es besser eine geringere Häufigkeit mehrerer unterschiedlicher schädlicher Rezessiven zu haben als eine hohe Häufigkeit von einem einzelnen Rezessiven.

Nehmen wir an wir hätten eine Population A mit einer Gen-Frequenz von 50% für eine Art von rezessivem Defekt. Wir werden sie vergleichen mit einer Population B mit einer Gen-Frequenz von 10% für 5 unterschiedliche rezessive Defekte. Beide Populationen haben dann die gleiche Frequenz für schädliche Gene, aber Population A hat Defekt-Gene nur für eine Art (leicht unter Kontrolle zu halten) während Population B seine Defekt-Gene unterteilt hat für 5 verschiedene Arten.

Das Risiko für ein Kitten in Population A eine genetische Krankheit zu zeigen ist 0,50 x 0,50 = 0,25 = 25%.

Das Risiko für ein Kitten in Population B eine genetische Krankheit zu zeigen ist 5 x (0,10 x 0,10) = 0,05 = 5%. Das zeigt, daß wir beträchtlich weniger Kitten mit Defekten erhalten bei einer Population die eine geringere Häufigkeit für mehrere verschiedene Arten von Krankheiten aufweist. Der wirkungsvollste Weg eine Rasse gesund zu erhalten ist nicht die Beseitigung der schädlichen Rezessiven sondern die Frequenz herabzusetzen auf ein so niedriges Niveau, daß zwei schädliche Rezessive der gleichen Art nahezu niemals aufeinander treffen.

Einige Züchter werden mit Outcross zögern weil sie befürchten den Typ für immer zu verlieren. Einige Züchter sind der Meinung, daß Inzucht (Linienzucht) der einzige Weg ist einen exzellenten einheitlichen Typ zu erhalten. Es ist wahr, daß man bei der Anwendung von Inzucht in diesem Bereich schnellere Resultate erzielt. Das Problem ist, daß Sie die Langzeitgesundheit der Katzen riskieren. Es ist möglich das gleiche Resultat zu erhalten ohne Inzucht, obwohl es zeitaufwendiger ist. Leider ist Inzucht eine sehr verlockende Abkürzung für Züchter deren Interesse darin liegt ihre Katzen auszustellen. Man sollte aber nicht vergessen, daß die meisten Gene die durch Inzucht gedoppelt werden absolut nichts mit Typ zu tun haben. Zum Beispiel: Ein Mensch hat ungefähr 100 000 Gene, and 98,5% dieser Gene sind identisch mit denen eines Schimpansen! Und dennoch, unterscheiden wir uns nicht ziemlich von einem Schimpansen? Wie groß könnte der unterschiedliche Anteil sein zwischen einem Siamesen und einem Perser? Oder einer Norwegischen Waldkatze und einer Maine Coon? Oder zwischen einer Burma mit gutem Typ und einer Mieze die aussieht wie eine Burma mit akzeptabel gutem Typ? Nicht mehr als wir mit einigen Generationen selektiver Zucht fixieren können. Ich bin mir dessen ziemlich sicher!

Genetische Problem in den Rassen tauchen auf!

Ja, auch wegen einer zu kleinen effektiven Population! Es sei denn aufgrund einer Zucht ohne Rücksicht auf die anatomischen Funktionen eines Tieres. Die Zucht auf extrem lange Körper kann Probleme mit dem Rücken verursachen, und die Zucht von immer kürzeren Gesichtern könnte Probleme geben mit den Zähnen. Die Zucht auf extrem dreieckige, quadratische, runde, etc. Köpfe kann zu Problemen führen mit Zähnen, Augen, Hirn, oder was immer. An erster Stelle und überhaupt muß einer Katze erlaubt sein eine KATZE zu sein. Es ist kein Klumpen Lehm den wir nach unseren ästhetischen Idealen formen können. Wir müssen uns daran erinnern, daß eine Katze nicht aus Kreisen, Dreiecken, Quadraten, oder anderen geometrischen Figuren besteht. Manchmal neige ich dazu einem Genetiker, der mehr mit Hunden arbeitet, zuzustimmen der vorschlug, wir sollten doch alle Hunde mit dem Fell eines Pudels züchten, dann können wir uns die geometrischen Formen und absonderlichen Ecken die wir attraktiv finden ZURECHTSCHNEIDEN. Dann hätten die Tiere wenigstens ihre Anatomie in Frieden.

Ausgenommen dieses traurige Phänomen ist es die zu kleine effektive Population die die hohe Frequenz verursacht, durch die viele genetische Krankheiten bei Rassen auftauchen. Viele Züchter scheinen darüber ein wenig verwirrt zu sein. Sie mögen denken, daß, wenn wir z.B. 10% der Katzen einer Rasse haben die betroffen ist von PRA, d.h. eine Genfrequenz von ungefähr 32% für das rezessive PRA-Gen, und wenn wir nicht testen und daran arbeiten diese Frequenz zu senken, dann wird die Frequenz automatisch mit der Zeit steigen. Das ist selbstverständlich nicht korrekt. Falls es richtig währe dann würde auch die Häufigkeit von Verdünnung (blue, cream, etc.) die ganze Zeit ansteigen sofern wir nicht entgegen dem Verdünnungsgen selektierten. Wenn die effektive Population groß genug ist und keine Selektion für oder gegen PRA erfolgte, dann bliebe die Häufigkeit bei 32% stehen.

Auf der anderen Seite, wenn wir jetzt schwach auf PRA selektieren, z.B. wenn wir eine Katze die selbst PRA hat (homozygot) nicht mehr als einen Wurf haben lassen, dann wird die Genfrequenz sinken. Langsam mit einer schwachen Selektion, schneller mit einer starken Selektion. Wenn wir nun alle Katzen die PRA zeigen aus dem Zuchtprogramm nähmen bevor sie irgendeinen Wurf gehabt hätten, wäre das Ergebnis folgendermaßen:


      Generation      Häufigkeit des Genotypes (%)

      Nummer          PP         Pp        pp



      1               46,8       43,2      10,0

      2               57,8       36,5      5,76

      3               65,0       31,2      3,74

      4               70,2       27,2      2,62

      5               74,1       24,0      1,94

      Und so weiter....

Aber dann! Was passiert wenn die effektive Population zu klein ist? Was passiert dann mit der Genfrequenz? Es ist der gleiche Effekt als wenn man 10 mal eine Münze wirft. Die Chance für Kopf ist jedes Mal 50%. Und wenn Sie diese Münze 1000 mal geworfen haben wären Sie ziemlich nah an 50 % Kopf und 50% Zahl. Aber jetzt werfen Sie sie nur 10 mal. Da ist es nicht überraschend wenn Sie zufällig 70% Kopf und 30% Zahl, oder 30% Kopf und 70% Zahl oder irgend so etwas bekommen haben.

Für das analoge Szenario einer kleinen Katzen Population bedeutet das, daß die Genfrequenz von ca. 30% in der nächsten Generation vielleicht auf 35% gestiegen ist aufgrund des Zufallsprinzipes. Oder aber es ist auf 25% gesunken aufgrund des gleichen Zufallsprinzipes. Im Fall der PRA wäre dies um einiges schöner. Aber seien wir pessimistisch und nehmen an, daß die Frequenz auf 35% gestiegen ist. Dann ist der ERWARTETE Wert der Genfrequenz für die nächste Generation ebenfalls 35%. Aber er kann zufällig enden bei 29%, 34%, 38%, 42%, oder was auch immer. Je kleiner die effektive Population ist, je größer ist das Risiko eine große Abweichung vom erwarteten Wert der Genfrequenz zu erhalten. Dann wird diese willkürlich erhaltene Frequenz der erwartete Wert für die nächste Generation. Dieses Phänomen nennt man "Zufallsströmung" (Random Drift). Wird die Auswirkung dieser "Zufallsströmung" stärker als die Auswirkung der Selektion - natürlich oder künstlich - dann kann der Wechsel der Genfrequenz sehr gut das Gegenteil von dem sein was wir wollten. TROTZ der Selektion. Dann würden die Augen blasser bei unseren Siamesen oder die lynx tufts kleiner bei unserer Norwegischen Waldkatze oder PKD wäre geläufiger bei unseren Persern. Das wäre natürlich alles andere als lustig!

Schauen wir uns jetzt einmal an warum PKD ein viel zu häufiges Problem bei den Persern geworden ist. Es kann kaum verursacht worden sein durch eine mysteriöse Selektion auf Klumpnieren. Es muß einen anderen Grund haben.

Es muß selbstverständlich begonnen haben vor langer Zeit mit einer Mutation bei einer Katze. Es war ein dominantes Gen also entwickelten sich Zysten in den Nieren der Katze. Nehmen wir an es war ein Kater der im Alter von 5 Jahren an PKD gestorben ist. Oder vielleicht 7-8 Jahre alt. Auf beiden Wegen haben wir eine sichere Selektion hinsichtlich des Gens. Wenn die Population denn groß genug ist, wird die Frequenz weniger und eventuell auf 0% sinken. Und selbst wenn es keine Selektion hinsichtlich des Gens gäbe, wie auch immer, es gäbe eine gute Chance, daß das Gen innerhalb weniger Generationen verschwunden ist. Da könnte die Frequenz zufällig ein bißchen größer oder ein bißchen kleiner sein. Und da die Frequenz anfänglich sehr klein war (ein mutiertes Gen in einer großen Population) ist es sehr wahrscheinlich, daß die Frequenz zufällig auf 0% absinkt und das Gen verschwunden ist.

Also war die effektive Population der Perser anscheinend nicht groß genug. Es erfolgte ein "Random drift" und zufällig verursachte es leider einen Anstieg der Frequenz des PKD-Gens. Trotz einer bestimmten Anzahl von Selektionen bezüglich des Gens war das Ergebnis, daß die Frequenz bei ungefähr 25-30% landete bevor mehr Züchter auf das Problem aufmerksam wurden und eine stärkere Selektion eingeleitet wurde.

Was sagt uns dies alles? Daß, falls wir keine ausreichend großen effektive Populationen haben, weitergehend hohe Frequenzen von unerfreulichen genetischen Problemen auftauchen. Wenn wir Pech haben könnten wir sogar Schwierigkeiten bekommen bei dem Versuch diese Probleme durch Selektion zu reduzieren.

Wenn wir stattdessen sicherstellen daß wir eine ausreichend große effektive Population unserer Rassen haben, werden genetische Krankheiten nicht als weitverbreitetes Problem in der gesamten Population auftauchen. Und als Zugabe verhindern wir Inzuchtdepression und schlechtes Immunsystem.

Die Zucht mit zu kleinen effektiven Populationen und gleichzeitigem Start von Projekten zur Bekämpfung genetischer Krankheiten in einer Rasse, ist so als wenn man auf Lungenkrebs behandelt wird und weiter raucht. Oder das Wasser, daß über den Badewannenrand rinnt abzuschöpfen und wegzuwischen während wir vergessen haben den Wasserhahn zuzudrehen und das Wasser weiter in die Wanne fließt.

Die Arbeit für ausreichend große Genpools ist eine Art von präventiv medizinischer Maßnahme für die Rassen. Es scheint nicht klug nur die Beschwerden zu behandeln ohne sich um die Vorsorgemaßnahmen zu kümmern die in erster Linie diese Leiden verhindern könnten.

Wir sollten auch nicht die Notwendigkeit einer ausreichend großen effektiven Population außer Acht lassen wenn wir eine getupfte kurzhaarige Rasse nach der anderen kreieren und anerkennen und eine große plüschige Halblanghaar Rasse mit mittlerem Kopf-Typ nach der anderen, usw. Solange die Anzahl Züchter die willens sind mit getupften kurzhaarigen Rassen zu arbeiten nicht mit der gleichen Rate ansteigt wie das Wachstum der Anzahl der Rassen, erfolgt die Rekrutierung von z.B. Bengal-Züchtern - nur ein Beispiel - stets auf Kosten der Möglichkeiten der Ocicat, Spotted Oriental Shorthair, Egyptian Mau, etc. zur Erhaltung einer konstanten und ausreichend großen Anzahl von Zuchttieren in einem Zuchtprogramm. Können diese Rassen das leisten? Wird die neue Rasse in der Lage sein sich ihren Platz zu schaffen unter all diesen anderen Rassen? Oder vielleicht bekommen alle eine zu kleine Populationen, sodaß wir am Ende alle getupften kurzhaarigen Rassen ausgerottet haben? Dies sind wichtige Dinge für uns über die wir in den Katzen-Organisationen nachdenken sollten. Diese Bedrohungen sind real, nicht nur "theoretisch" und wir haben gerade erst begonnen die ersten Auswirkungen zu sehen, obwohl noch nicht so schlimm wie bei den Hunderassen. Ich befürchte aber, es wird schlimmer werden wenn wir nichts dagegen tun - je früher desto besser.

Das ist eine Sache mit der wir in den Katzen-Organisationen beginnen müssen zu arbeiten. Es darf nicht in Vergessenheit geraten zwischen all den spezifischen Projekten gegen spezifische Krankheiten. Es geht um die eigentliche Basis für die Gesundheit der Katzen.

©Ulrika Olsson, 2002, 2004.

Vielen Dank an Cynthia Bowen, Coontopia cattery, für die Hilfe mit der komplizierten englischen Sprache!



Datenbanken im Internet

Um sicher zu gehen daß die effektiven Populationen und Genpools groß genug sind für die Rassen mit denen wir züchten, ist es nötig eine Datenbank zu schaffen die alle Katzen sammelt, ungeachtet bei welchem Dachverband sie registriert sind. Die Populationsgenetiker haben dann die Möglichkeit die Situation jeder Rasse zu studieren und wir können Zuchtempfehlungen erhalten die auf Fakten beruhen anstatt Annahmen darüber was wir DENKEN wie die Situation sei. Wir könnten auch rechtzeitig erfahren wenn eine Rasse auf dem Weg ist genetische Vielfalt in ihrem Genpool zu verlieren, bevor die SYMPTOME von Inzucht erscheinen.

Um die Züchter weltweit zu informieren und zu unterstützen ist es auch wichtig, daß diese Datenbanken im Internet verfügbar sind, sodaß jeder an den Informationen teilhaben kann die gesammelt wurden. Wie ich es sehe wird die Erfassung getätigt zum Nutzen der Zucht und daher müssen die Informationen anderen Züchtern verfügbar gemacht werden. Letztendlich sind es die Züchter die die Zuchtentscheidungen treffen, daher müssen die erfassten Informationen an alle Züchter der ganzen Welt zum Studium freigegeben werden.

Am Anfang, wenn eine mehr offene Politik diskutiert wird, ist es gewöhnlich so, daß einige Personen beunruhigt sind, daß die Verfügbarkeit von Informationen es vereinfacht Stammbäume zu fälschen. Aber die Frage ist, ob es nicht schwieriger wird einen Stammbaum zu fälschen wenn auch solche Stammbäume kurz darauf im Internet erscheinen. Die Besitzer der betroffenen Katzen würden sicherlich prompt reagieren und Maßnahmen würden ergriffen Falsches zu korrigieren.

All das könnte sich für jemanden der noch nie darüber nachgedacht hat ein wenig unheimlich anhören, aber ich glaube, daß die Einstellung Stammbauminformationen geheim zu halten, lediglich eine Sache der Gewohnheit ist. Wie ich es sehe gäbe es viel Nutzen aus der Veröffentlichung der erfassten Informationen- man muß sich nur mit dem Gedanken vertraut machen und sich selbst überzeugen, daß nichts Gefährliches passieren wird.

Ich bin der festen überzeugung, daß "schlechte" Zuchtauswahl, vom Standpunkt der Gesundheit aus gesehen, zum größten Teil verursacht wird durch lückenhafte Information und lückenhaftes Wissen über die Mechanismen. Diese Datenbanken könnten, in Verbindung mit vermehrter Ausbildung durch die Katzenvereine, dazu beitragen, unter den Züchtern ein steigendes Wissen über die Rasse und die Zucht zu fördern. Dies würde dann zu einer verbesserten genetischen Gesundheit unserer Katzen führen.