HCM Untersuchungsformular - welche Meßwerte es enthält und deren Bedeutung

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[Übersetzt von Ulrike Illia, Coonity Maine Coons]

Von Misha Peersmans

Was befindet sich wo

Das Herz der Katze ist eine Miniturausgabe des menschlichen Herzens, beide arbeiten auf die selbe Art und Weise. Es weist 4 separate Kammern auf, 2 auf der linken und 2 auf der rechten Seite. Die beiden Kammern oben nennt man den rechten und linken Vorhof (= Atrium), die beiden unteren Kammern heissen rechte und linke Herzkammer (= Ventrikel).

Das Blut, das zum Herzen fließt, hat zuvor in verschiedenen Teilen des Körpers seinen Sauerstoff abgeliefert. Es kommt als venöses, sauerstoffarmes Blut beim rechten Vorhof herein. Von dort wird es in die rechte Herzkammer und dann weiter in die Lunge gepumpt, um dort frischen Sauerstoff aufzunehmen. Von der Lunge kommt das Blut wieder zurück zum Herzen, diesmal auf der linken Seite. Es durchläuft den linken Vorhof, fließt weiter durch die linke Herzkammer und wird schließlich in die Aorta, die Hauptschlagader, gepumpt um den Körper wieder mit Sauerstoff zu versorgen.

Die unteren beiden Herzkammern, die Ventrikel, sind die stärksten Pumpbereiche des Herzens. Sie müssen das Blut in die Lunge und durch den ganzen Körper pumpen, während die Vorhöfe das Blut bloß in die Herzkammern pumpen müssen.

Um bei dieser starken Pumpbewegung einen Rückfluß des Blutes aus den Kammern in die Vorhöfe zu verhindern, gibt es Klappen zwischen diesen Kammern. Die Klappe zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Kammer heißt Tricuspidalklappe (Dreizipfelige Klappe). Die Klappe auf der linken Seite des Herzens heißt Mitralklappe.

Diese Klappen könnten nun natürlich durch den grossen Druck, der bei der Pumpbewegung aufgebaut wird, in die Vorhöfe zurückgedrückt werden. Das wird jedoch von kleinen, fadenartigen Bändern verhindert, den Chordae Tendineae. Diese Chordae Tendineae fungieren als eine Art Ankerseile zwischen den beiden Klappen und den Papillarmuskeln, welche sich an der Herzwand befinden.


Die Begriffe, die im Formular verwendet werden

  • Auscultation: (Abhörbefund)
    • Normal: Das Herz sollte so schlagen: "lub-dub lub-dub lub-dub"
    • Gallop: Wir sprechen von einem galloppierenden Herzen, wenn es sich so anhört: "lub-lub-dub-dub lub-lub-dub-dub lub-lub-dub-dub"
  • Murmur: (Herznebengeräusch)
    • Grading (Einstufung): Wenn ein Herznebengeräusch festgestellt wird, klassifiziert man es je nach Schweregrad
    • Dynamic (Dynamisch): Kein übliches Herzgeräusch, ausserdem abhängig von Frequenz und Funktion (nicht bei jedem Herzschlag)
    • Static (Statisch): Normales Geräusch im Einklang mit der Herzfunktion, meistens verursacht durch einen Defekt der Herzklappen oder des Herzmuskels und von daher bei jedem Herzschlag hörbar
  • Timing: (Zeitpunkt)
    • Systolic (Systolisch): das ist der Zeitpunkt, an dem sich das Herz am meisten kontrahiert (zusammenzieht)
    • Diastolic (Diastolisch): das ist der Zeitpunkt, an dem das Herz am meisten erschlafft
  • Location: (Ort) Wo genau das Herzgeräusch hörbar wird

Nun zuerst eine kurze Erklärung über den 2-D und den M-Modus:

  • 2D Modus 2D bedeutet 2-dimensional - auf diese Weise wird das Herz so dargestellt, als hätte man eine Scheibe herausgeschnitten
  • M-mode sieht aus , als würde man in einer LINIE durch das Herz schauen, die die Veränderungen anzeigt, wenn sich das Herz kontrahiert und entspannt; es zeigt, wie die Wände dünner werden und dann wieder dicker, und wieder dünner, usw. Und es zeigt auch den "Platz" im Herzen, im Ventrikel. WEnn man im M-Mode auf den Bildschirm schaut, wird man allerlei merkwürdige Wellen auf und nieder gehen sehen. Wenn dieses Bild eingefroren wird, können die Messungen vorgenommen werden. Im M-Mode ist es leicht zu sehen, wann das Herz in der Systole und wann in der Diastole ist. (Beispiel im Bild unterhalb)


Die Abkürzungen:

Zuerst die Messungen in der Diastole, wenn der Herzmuskel also am stärksten entspannt, erschlafft ist.

  • IVSd: IntraVentricular Septum in Diastole
    Die Stärke der Wand zwischen den beiden Herzkammern (Ventrikeln). Diese sogenannte Herzscheidewand trennt den linken vom rechten Ventrikel
  • LVIDd: Left Ventricle Inner Diameter in Diastole
    Bedeutet den freien Raum innerhalb des linken Ventrikels. Dies wird zuerst in der Diastole gemessen und später in der Systole (üblicherweise im M-Modus)
  • LVFWd: Left Ventricle Free Wall in Diastole
    Die "freie Wand" ist die Ventrikelwand an der Aussenseite der Herzkammer = Herzaussenwand

Nun die Meßwerte in der Systole (wenn das Herz maximal kontrahiert ist)
  • IVSs: IntraVentricular Septum in systole
    Das ist eine Messung der Herzscheidewand zwischen den beiden Herzkammern (dieses sogenannte Septum trennt die linke Herzkammer von der rechten)
  • LVIDs: Left Ventricle Inner Diameter in systole
    Dieser Wert zeigt, wieviel "Platz" im linken Ventrikel offen ist. Dieser freie Platz wird erst in der Diastole gemessen, später in der Systole (und für gewöhnlich im M-Mode)
  • LVFWs: Left Ventricle Free Wall in systole
    Die Aussenwand der linken Herzkammer in der Systole

  • SF: Shortening Fraction (gemessen in %)
    Dieser Wert mißt, wie stark sich das Herz kontrahiert. Es wird aus der Differenz zwischen LVIDd und LVIDs errechnet (die ja bereits vorher gemessen wurden) und dieser Wert nochmal durch LVIDd dividiert. Dies ergibt einen Prozentsatz, der anzeigt, um wieviel Prozent der linke Ventrikel in der Systole gegenüber der Diastole kleiner wird.
    Beachte: die Kontraktionen sind in einer Katze, die Beruhigunsgmittel erhalten hat, nicht so kräftig!
  • Ao: aorta
    Dies ist eine Messung der Aorta, z.B ihres Durchmessers. Das Blut kommt aus der linken Herzkammer in die Aorta und versorgt von dort aus den ganzen Körper mit sauerstoffreichem Blut.
  • LA: left atrium
    Gemessen wird der Durchmesser.
    Ao und LA werden immer im 2-D Modus gemessen.
  • LA/Ao: bedeutet LA dividiert durch Ao
    Dieser Messwert ergibt die subjektive Grösse des linken Atriums (zB. für den Vergleich zwischen Grösse des linken Vorhof gegenüber dem Herzen als Ganzes).

    Diese beiden Werte (Ao und LA) sind üblicherweise ziemlich gleich groß. Durchaus normal sind auch Werte leicht darüber als darunter (zB. 1, 1.2 oder 1.3 sind noch normal, Werte über 1.4 könnten aber Grund zur Sorge geben).
  • Subjective Left Atrial Size Subjektive Grösse des linken Vorhofes:
    Hiefür gibt es keine klaren Grenzen (soweit ich weiß), aber ein vergrösserter linker Vorhof könnte auf HCM oder RCM hindeuten.
  • SAM: Systolische Vordere Bewegung der Mitralklappe
    Die Mitralklappe sollte sich beim Zusammenziehen des Herzmuskels schliessen, um das Zurückfliessen des Blutes in den linken Vorhof zu verhindern. SAM bedeutet, daß die Klappe nicht völlig schließt. Das verursacht abnormale Fließrichtungen, Wirbel und sogar Blutaustritte können auftreten. Als häufigste Ursache, daß die Mitralklappe nicht ordentlich schließt, gilt eine Verklebung mit einer lokalen Verdickung der Herzscheidewand. Während einer Kontraktion wird nicht das ganze Blut aus der linken Herzkammer gepumpt, sondern fließt teilweise zurück in den linken Vorhof. Das ist der Grund, warum SAM auch zu einem vergrösserten linken Atrium führen kann.
    Bei Autopsien kann man manchmal an einer Stelle Narbengewebe erkennen oder eine andere Veränderung dort, wo die Mitralklappe ständig gegen die Wand des Vorhofes geschlagen hat SAM! So kann SAM manchmal auch in der Autopsie diagnostiziert werden.
  • End systolic Cavity Obliteration: Endsystolischer Verschluß der Herzkammer
    Das bedeutet, daß in der Systole - also wenn das Herz kontrahiert - kein Platz mehr in der linken Herzkammer übrig ist, hervorgerufen durch eine Verdickung der Herzwände oder Veränderungen der Papillarmuskeln. In einem gesunden Herzen ist immer noch etwas Platz übrig. Die Wände verdicken an der Innenseite des Herzens, nicht aussen.
  • Papillary muscles: Papillarmuskeln
    Diese kleinen Muskeln sind innerhalb der linken und rechten Herzkammer gelegen, an der Kammerwand und mit den Chordae Tendineae verbunden, welche wiederum am anderen Ende an der Mitralklappe angewachsen sind. Diese Chordae Tendinae kann man am Bildschirm als weiße Linien erkennen. Papillarmuskeln können sowohl vergrössert sein, aber auch länger als normal. Das ist leicht zu verwechseln mit einer Verdickung, ist aber völlig verschieden davon. Einige Katzen haben geteilte Papillarmuskeln, andere besonders kleine. Diese Anomalien scheinen aber im Gegensatz zu den vergrösserten Papillarmuskeln die Katze in keinster Weise zu beeinträchtigen.

Bewertung oder Abstufung

Für die Bewertung, ob die Katze normal ist, equivocal oder HCM hat, müssen wir uns verschiedene Dinge ansehen.

Eines davon sind die Messwerte der Herzwand: IVSd und LVFWd. Über diese Werte wird am häufigsten von den Züchtern gesprochen und manche glauben sogar, das ist DIE Sache. Normale Wandstärke liegt zwischen 3.0 - 5.0 mm, mit einigen kleinen Abweichungen.
Frühere Studien haben den Schlüsselwert zwischen normal und equivocal mit 6.0 mm an. Wir haben dabei in Betracht gezogen, daß die Ultraschallgeräte damals noch nicht so ausgereift waren. Spätere Studien gaben dann einen Wert von 5.5 mm als Maximalwert an, aber mittlerweile scheinen immer mehr Tierärzte diesen Wert noch weiter reduzieren zu wollen. Die Tierärzte, die für das Pawpeds Health Programm arbeiten, haben sich für einen Maximalwert von 5.0 mm entschieden. Daher sollte eine allgemeine oder lokale Verdickung der Herzwand über 5.0 mm die Bewertung "equivocal" (wenn keine anderen Auffälligkeiten zu beobachten waren) oder "HCM" zur Folge haben.

SAM ist auch ein wichtiges Zeichen, das man beachten sollte. Seit Dr. Kittleson festgestellt hat, daß SAM in einigen Katzen das erste Anzeichen von HCM ist, bewerten die Tierärzte diese Anomalie als "equivocal", wenn keine weiteren Anzeichen für HCM zu finden sind.

Ein Herzgeräusch könnte auch ein Zeichen für HCM sein (60% aller Katzen mit Herzgeräuschen erweisen sich als HCM positiv, aber ein Herzgeräusch kann auch andere Ursachen haben). Ein galoppierender Herzrhythmus könnte auch ein Zeichen für HCM sein, aber nur, wenn noch andere Anzeichen darauf hindeuten.

Ein weiteres Ding sind die Papillarmuskeln. Wenn sie vergrössert sind (und keine weiteren Abnormitäten vorliegen), wird die Katze "equivocal" bewertet werden. Das entspricht Dr. Kittlesons Kriterien. Einige Katzen haben allerdings leicht vergrösserte Papillarmusklen in ihrem genetischen Programm, während das bei anderen erste Zeichen für HCM sein können. Darum wird diese Eigenschaft "equivocal" bewertet. Wir wissen zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht, was es ist. Wenn jedoch beispielsweise eine Katze vergrösserte Papillarmuskeln UND SAM hat, bezeichnet Dr. Kittleson sie als HCM positiv.

SEHR WICHTIG: Equivocal bedeutet, daß Anomalien beobachtet worden sind, es aber zum Zeitpunkt der Testung nicht klar ist, was diese nun bedeuten oder nicht bedeuten. Nicht jede Katze, die equivocal bewertet wurde, wird HCM entwickeln, es besteht jedoch die Möglichkeit dazu.