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Die Tati-Tan Cattery - Sonya Stanislow

Von Roswitha Helfgott, Ad Montem Cattery


Sonya Stanislow

Es wird nur ganz wenige Stammbäume geben, wo nicht - zumindest ganz hinten - der Zwingername "TATI-TAN" aufscheint. Jeder, der sich auch nur ein wenig für die Geschichte der Maine Coons interessiert und Stammbäume studiert, kennt ihn und wohl auch den Namen der Frau, die dahinter steht: Sonya Stanislow.

Es war im Herbst 1995, als ich mit Sonya erstmals Kontakt aufnahm. Nachdem ich mich viel mit der Geschichte der Maine Coon beschäftigt hatte, eine große Zahl von Stammbäumen gesammelt hatte, wollte ich jemanden kennenlernen, der vom Anfang an dabei war. So kam ich auf Sonya, die als einzige aus dieser Gruppe noch immer aktiv züchtete, ausstellte; und ich wollte eine Katze haben, eine Katze aus dem Anfang - dreißig Jahre später... Ich weiß es nicht, wie es mir gelungen ist, Sonyas Vertrauen zu gewinnen. Sonya hatte zuvor nur einmal vor Jahren eine Katze nach Europa geschickt, nach England. Sie war sehr besorgt um das Wohlergehen ihrer Tiere und hatte immer große Bedenken gehabt wegen der langen Reise, der großen Entfernung.


Sonyas 70. Geburtstag

Telephongespräche, Faxe, Briefe folgten, aber schließlich kamen Chanteuse und Chansonnette zu uns.

Es hat für Sonya viel Streß bedeutet. Sie hatte ja kein Auto und war trotz ihres Alters auch noch voll berufstätig in einer gastroenterologisch-kardiologischen Praxis.

Ich glaube für sie war die Zeit des Fluges noch viel schlimmer als für die beiden Katzenmädchen, aber schließlich sind sie gut bei uns gelandet und Sonya war, nach einem kurzen Anruf noch vom Flughafen aus, hörbar erleichtert.


Chanteuse, Chansonnette und ihre beiden Brüder

Viele Briefe haben danach den Ozean überquert, Sonya schickte Kopien von Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln, vieles von dem, was mir die Gestaltung dieser Seite erst ermöglicht hat.

Nur wenige Jahre waren es, in denen wir an Sonyas Leben teilnehmen konnten und es waren sicher nicht ihre leichtesten. Ihr Leben war sehr bescheiden geworden. Eines weiß ich aber: Ich bin in meinem Leben nur wenigen Menschen begegnet, die sich mit ihr vergleichen hätten können.

Am 30. Oktober 2001 wäre Sonya 75 Jahre alt geworden. Am 1. Februar hat sie uns verlassen.

Ehe ich weiter erzähle, möchte ich noch Dennis, Sonyas Sohn, danken. Von ihm stammen nicht nur die Fotos von Sonyas frühen Jahren, er ermöglichte mir auch so manchen Blick in ihr Leben vor der Zeit, da ich sie kennenlernte.

Sonyas Eltern stammten aus Rußland, Wurzeln, auf die auch die Namen von Sonyas ersten Maine Coon Mädchen Tanya und Tatiana zurückgehen und damit auch der Zwingername TATI(ana)-TAN(ya). Sonyas Eltern haben übrigens nie die englische Sprache angenommen. Sonya dagegen sprach fließend Englisch, Russisch, Polnisch und Spanisch.


Als Zwanzig-, Dreißigjährige hat Sonya als Tänzerin gearbeitet, war einst sogar in der Carnegie Hall aufgetreten. Es gab oder gibt eine Dokumentation darüber. Gern tanzte sie Flamenco... Schönheit und Grazie, da führt nur ein ganz kleiner Schritt zu unseren Felinen, die ein ganz wichtiger Teil von Sonyas Leben werden sollten und es bis zu ihrem Tod blieben. Ich muß hier an einen Satz aus Dennis Brief denken, den er nach ihrem Tod geschrieben hat: "In a sense you can say my mother left a part of herself when she died. This was her cats".

Eine große Anzahl von Sonyas Katzen trägt französische Namen, allen voran der legendäre Dauphin de France. Frankreich, Paris -, ob Sonya davon geträumt hat? Unsere beiden Mädchen heißen Chanteuse de France und Chansonnette. Die Frau von Sonyas Bruder war in Paris Sängerin gewesen und stand Sonya sehr nahe. "We were very close..." hat Sonya geschrieben als sie ziemlich deprimiert von deren Tod schrieb, nicht sehr lange vor ihrem eigenen.

Wie mir Dennis erzählte, war Sonya auch eine ausgezeichnete Köchin. Er schwärmte von ihren selbstgemachten Suppen, Chili und beef stew. Für die Zubereitung eines richtigen Mahls verwendete Sonya sowohl was die Zutaten, als auch das Kochgerät betraf, nur das Beste. Ein großer Teil ihrer Töpfe und Pfannen stammte aus Europa und sie war sehr heikel, was Geschirr, Messer, diverses Zubehör betraf. Sie verstand es wohl auch zu genießen, wovon auch ihre Vorliebe für Scotch und später für Heineken Bier zeugt. Vielleicht ist es aber auch ein Zeichen, daß für sie Europa immer noch ein Stück Heimat war.


Sie war gerne gut gekleidet, liebte Fernsehthriller und Science fiction... Während mehrerer Jahrzehnte war sie begeisterte Fischerin; gemeinsam mit ihrem Freund. In Amerika nennt man es "party boat", wir nennen es "Preisfischen": wer den größten Fisch fängt, bekommt einen Preis.


Es sind nur kleine "private" Streiflichter aber sie ergeben das Bild einer faszinierenden Frau; - schon lange bevor und neben ihrer Bedeutung für unsere Maine Coons.


Ja, und das mit den Maine Coons begann so:

Es war im Jahr 1962, als Sonya eine Freundin besuchte, die in Upstate New York lebte. Als sie das Haus betrat, stand sie plötzlich einer der schönsten und größten Katzen gegenüber, die sie je gesehen hatte. Es war Liebe auf den ersten Blick. Und sie beruhte auf Gegenseitigkeit! Als Sonya von diesem Besuch nach NewYork City zurückkehrte, brachte sie nicht nur eine wunderschöne Katze, nämlich Tanya, mit... -


Tanya

Sonya selbst schreibt darüber: "Etwas war in mir ausgelöst worden, von dem ich vorher nicht gewußt hatte, daß es da war. Ich war immer eine Katzenliebhaberin gewesen, doch das war anders. Ich wollte alles über diese Rasse wissen und suchte nach jeder erreichbaren Information und nach Leuten, die irgendetwas über sie wußten. Glauben Sie mir, es war nicht leicht!..." Wen erinnert das nicht an die eigene Anfängerzeit als Züchter!... Tanya sollte Sonyas erste Ausstellungskatze werden.

Ende desselben Jahres kam es zu einem zweiten schicksalhaften Zusammentreffen: Es herrschte miserables Wetter, regnete. Mißmutig ging Sonya auf die andere Straßenseite zu einem Delikatessengeschäft und beschloß für ihre Lieblinge etwas Besonderes zu kaufen: Truthahn, Roast Beef oder sonst irgendetwas. Dabei traf sie eine Dame, die ebenfalls für ihre Katzen Leckerbissen suchte, Ellen Salonius. Und wie das so bei Katzenbesitzern üblich ist, gerieten sie natürlich ins Gespräch und es stellte sich heraus, daß Ellen Salonius auch Maine Coons hatte und daß die beiden nur wenige Gehminuten entfernt voneinander wohnten. Ellen Salonius wollte zwar keinem Verein beitreten, sich nicht als Züchterin registrieren lassen und auch nicht ausstellen, aber sie hatte gerade zu arbeiten aufgehört und hatte Zeit. Sie ließ sich von Sonya dafür begeistern, an einem Zuchtprogramm mitzuarbeiten. Das Resultat dieser Zusammenarbeit ist Maine Coon Geschichte: sie züchteten gemeinsam Dauphin, den ersten Maine Coon Grand Champion der Welt...


Tatiana, die Katze mit den smaragdgrünen Augen, die neben Tanya die TATI-TAN Cattery begründete, stammt übrigens ebenfalls von Ellen Salonius. Tatiana ist die Mutter jener grünäugigen Linien, auf die Sonya besonders stolz war. Die grünen Augen traten besonders häufig gemeinsam mit der roten Fellfarbe auf.

1965 machte eine Freundin, die um das große Interesse Sonyas an allem rund um die Katze und besonders die Maine Coon wußte, Sonya auf eine Show im Zeughaus in der 34 Straße in New York City aufmerksam. Wie sie als Besucher ihre erste Show erlebte, erzählt Sonya selbst: "Ich ging umher, ich beobachtete das Richten und sprach stundenlang mit den Leuten über Katzen. Aber was ich am lebendigsten in Erinnerung behalten habe, war, als ich bei einem Ausstellungkäfig vorbeiging und eine Maine Coon sah, die meiner kleinen Katze völlig gleich war. Ich riß ein Foto aus meiner Tasche und die Besitzerin stimmte mir zu, daß es eine definitive ähnlichkeit gab. Die Besitzerin war freundlich und beantwortete meine Fragen. Sie gab mir sehr viele Informationen und beschrieb in allen Einzelheiten, wie ich vorgehen mußte, um meine Katze späterhin auszustellen. Sie erwähnte aber auch, daß diese Rasse noch nicht anerkannt sei. Der Besuch dieser Ausstellung war ein Wendepunkt in meinem Leben..."

Es war das Jahr 1966; Ort: Old Madison Square Garden in New York City. Sonya nahm erstmals als Ausstellerin teil. Tanya wurde als Langhaar-Hauskatze eingetragen. Was die Vorbereitung für Ausstellungen betrifft, so war das für Sonya natürlich auch Neuland. Sie erzählt " ...Ich hatte Glück, einen Tierarzt zu finden, der wußte, wie man eine Katze für eine Ausstellung vorbereiten muß. ...Er ließ meine Hand über Tanyas Rücken streichen und sagen, was ich fühlte: "Knoten!" war meine Antwort. Er wies mich an, heimzukehren und die Katze so lange zu kämmen, bis kein Haar mehr im Kamm blieb. "Kommen sie in einer Woche wieder, und, falls ich keine entscheidende Besserung im Erscheinungsbild feststellen kann, werde ich Sie eigenhändig aus meiner Ordination hinauswerfen." Er war todernst und ich war ebenso verärgert wie erschrocken. In einer Woche hatte ich soviel Filz und Fellhaar ausgekämmt, daß ich daraus einen kleinen Polster hätte machen können. Das Endergebnis war mehr als zufriedenstellend..."


Tanya nach ihren ersten Ausstellungserfolgen

Tanya ließ sich bei der Show wunderbar präsentieren und war angenehm zu behandeln. Sie kam so gut an, daß sie mit Sonya und dem Richter an diesem Wochenende im Fernsehen erschien.

Im folgenden Jahr, am 20. April 1967, wurde Dauphin de France geboren.


Dauphin De France of Tati-Tan

International & Double Grand Champion Dauphin de France of Tati-Tan

Erster Maine Coon Grand Champion
Erste Maine Coon (gemeinsam mit seinem Sohn Bijou), die in Canada ausgestellt wurden;
Canadischer Champion (CCA CH)
und 1970 Internationaler Champion.
Erste Maine Coon die "the CFF Parade of Perfection" gemacht hat,
Best of Breed 1971-1972
Erste Maine Coon, die einen Best Cat in Show Gewinn gemacht hat, bei seiner ersten ACA-Show am 28. April 1968.
Er war Best Novice,
Best Maine Coon, Best Long Hair und Best Cat,
Best All-American Maine Coon Cat (Cats Magazine) 1967-1972
Best Cat MCBFA 1969-1970

Von nun an war Sonya besessen von der Idee, die Rasse zur Anerkennung zu bringen.

Sonya schreibt: "Ich glaube, ich bin eine kämpferische Person. Je mehr jemand "nein" sagt, umso härter streite ich. Das muß ein Markenzeichen der Maine Coon Züchter sein. Denn damals verbrachten wir viele Stunden damit, Vorschläge zu formulieren und mit Leuten zu korrespondieren, um die Anerkennung der Maine Coon durchzusetzen."

Sonya registrierte ihre Katzen und den Zwinger bei allen aktiven Vereinen, einschließlich der kanadischen, trat Katzenklubs bei, nahm an Versammlungen teil, von denen manche acht bis neun Stunden von zu Hause entfernt waren, nur um mit leeren Versprechungen heinzukehren, schrieb Briefe, besuchte Ausstellungen, warb für die Rasse, wo immer sie nur konnte. Bei so mancher Ausstellung war sie ihre eigene Konkurrenz, aber da die Reaktion der Besucher so günstig war, setzte sie ihre Kampagne fort.


Tati-Tan Bijou

Eine Siamesenzüchterin, die im CFA aktiv war, arrangierte einen live Fernsehauftritt ihrer Tiere in der "Today-Show". Bijou war ein Naturtalent. Sonya war unendlich stolz, als sie ihn auf dem riesigen Farbbildschirm sah, während ihr Tränen über das Gesicht liefen. Später gab es eine Pressekonferenz und sein Photo wurde ausgewählt, daß es in Tageszeitungen erscheinen sollte. "Ich dachte, mein Sohn hätte an einer Papiersammlung teilgenommen" schreibt sie, "als er an diesem Abend voll beladen mit einem Stoß Zeitungen erschien."

1969; Sonya erzählt: "Als ich eines Tages dasaß und das "CATS-Magazin" las, das gerade eingetroffen war, glaubte ich mich wie vom Blitz getroffen. Da stand, schwarz auf weiß: Die Maine Coon wurde nun von beiden, ACA und CCA für die Erreichung des Champion-Status anerkannt. Meine Frustartion war verflogen, ich war in Ekstase!" Es war das "Cats Magazin, Juli 1969". Jane S. Martinke erzählte darin unter dem Titel "OUR YANKEE CAT GOES NATIONAL", daß es zwar schon vor Jahren Bemühungen gegeben hatte, die Maine Coons als echte Rasse anzuerkennen und einige Versuche unternommen worden waren, einen Standard für sie auszuarbeiten, daß aber das Interesse an diesem Projekt bald wieder nachgelassen, hatte, aber: "...seit kurzem wurde das Unternehmen reaktiviert, und es gibt jetzt einige engagierte und enthusiastische Leute, die ernsthaft und konstruktiv mit Maine Coons arbeiten, damit sie schließlich in der gesamten Katzenszene anerkannt werden. Sie hatten schon Erfolg bei ACA, ACFA, CCA und ICF hinsichtlich des vollen Championship-Status. Unserer Meinung nach sollten die Maine Coons in anderen Verbänden wenigstens für eine Registrierung akzeptiert werden, um Foundation-Linien zu ermöglichen. Im CFF können sie als AOV ausgestellt werden und im UCF als BNC... In den anderen Verbänden können sie nur bei den Hauskatzen ausgestellt werden... Glücklicherweise gehen diejenigen, die nun mit solcher Energie an der Rasse arbeiten, realistisch und praktisch an die Sache heran, hinsichtlich von Stammbäumen in voller Kenntnis ihrer Unabdingbarkeit, und sie sind bereit, ihre Zucht-Aktivitäten entsprechend gesunden genetischen Prinzipien durchzuführen um die Rasse zu stabilisieren. Es gibt noch Probleme, die ausgebügelt werden müssen (auch die Polydaktilie zählt dazu)... zum Beispiel erhielt ich drei verschiedene Standardvorschläge. Vielleicht gibt es auch noch andere. Im Interesse der Rasse wäre es aber sehr wichtig, würden alle Züchter, die mit ihr arbeiten, zu einer übereinkunft über einen gemeinsamen Standard kommen..."

Es war eine kleine Gruppe, die 1968 mit der Arbeit begonnen hatte: Mrs. Whittemore, Lillias Vanderhoff, Nancy Silsbee, Rose Levy, Henrietta O'Neil, Dr. Und Mrs. Eminhizer und natürlich Sonya selbst. Auf diese Gruppe geht auch die Gründung der Maine Coon Breeder's and Fancier's Association, MCBFA, zurück. Die Idee dazu kam von Nancy Silsbee.

Das Schwierigste war die Erstellung eines Standards. Wie Sonya erzählte, gab es in den frühen Jahren eine gemischte Sammlung von Maine Coons: "...die meisten der Köpfe waren runder. Einige hatten längliche Körper, andere waren kräftiger. Der Ausdruck war lieblicher und sie hatten reichlich Fell im Verhältnis zu den heutigen Typen. Die Nasen gab es in Vielfältigkeit, von langen, geraden, zu leicht konkaven bis hin zu kurzen, mit einem eindeutigen "break". Die Ohren reichten von kurz bis lang. Es gab keine Untergruppieungen, wie wir sie heute haben. Jede Katze mit weiß wurde zu Bicolor gerechnet, classic tabbies und torbies wurden zu einer Gruppe gezählt..." und "...wie Sie sicher wissen, sind Katzenmenschen sehr unabhängig und sehr auf ihre eigene Meinung versessen."

"Als es dazu kam, die Gestalt der Maine Coon zu Papier zu bringen, nun, sagen wir einmal, es war nicht leicht. Wir sprachen, diskutierten, argumentierten, kämpften und stritten ohne Ende. Zu allem, worauf jemand Wert legte, hatte jemand anderer eine völlig andere Vorstellung. Rückblickend glich es oft einem Aufstand, aber es war auch ein Test unserer Fähigkeit, persönliche Vorlieben beiseite zu lassen und mit einem Standard herauszukommen, der der Katze nützte. Ich bin stolz sagen zu können, daß wir unser Ziel erreichten. Die Schwierigkeiten, auf eine tatsächliche Katze zu sehen und zu projizieren, wie sie ausschauen würde, wenn sie "perfekt" wäre, und das in Worten zu sagen, sind schwer vorstellbar. Doch, wenn man diese Schwierigkeiten multipliziert mit mehreren Katzenzüchtern, dann ist das unausdenkbar. Aber, wir taten es. Und, glücklicherweise, dieser Standard hat sich sehr wenig während der Jahre geändert."

Schon die erste Ausstellung nach Anerkennung der Rasse war ein echtes Ereignis. Sonya stellte Dauphin, seine Ehefrau Tatiana, Tanya und ihren silber-tabby American Shorthair Kater Pushkin aus. Als das Finale im ersten Ring verkündet wurde, brach ein Tumult los: Dauphin war Best Maine Coon, bester Langhaar und schließlich Best Cat geworden. Zu allem überfluß wurde auch noch Pushkin Best Cat Kurzhaar. Aber Anerkennung der Rasse hin oder her, die anderen Langhaaraussteller wollten den Sieg einer Maine Coon nicht anerkennen. Es kam zu einem regelrechten Tumult. Viele Langhaarzüchter verlangten, daß Dauphin nochmals gerichtete werden sollte, in der Hoffnung, die Richer würden vielleicht doch einen Fehler entdecken und ihm den monumentalen Sieg wieder aberkennen. Doch die Richter blieben fest, Dauphin setzte seinen Siegeszug in zwei weiteren Ringen fort und wurde überhäuft mit Auszeichnungen, Rosetten, Pokalen und auch Geldpreisen. Sonya schreibt: "Es muß nicht gesagt zu werden, daß keine Seele mit mir sprach... Das Endergebnis meiner ersten Ausstellung führte zu einer ungeheuren Menge von Feindseligkeiten gegenüber mir und meinen Katzen..."

Doch Sonya stellte weiter aus. Sie hat nie einen eigenen Wagen besessen, war entweder auf Freunde angewiesen oder auf die Eisenbahn, hin und wieder wurde auch ein Caravan gemietet, mit einer Freundin als Chauffeuse. So machte sie 1970 eine lange, mühselige Reise per Eisenbahn nach Canada. Wieder gab es keine anderen Maine Coons, aber es war eine schöne Ausstellung. Sonya und ihre Coonies wurden gut aufgenommen und fühlten sich wirklich willkommen. Dauphin und Bijou waren nun Internationale Champions.

Eine Ausstellung in Manchester, New Hampshire ist Sonya besonders in Erinnerung geblieben: "Vor Erreichen der Ausstellungshalle gab die Autobatterie ihren Geist auf. Als wir schließlich ankamen, sperrte ich die Tür des Hotelzimmers auf und statt einen Seufzer der Erleichterung von mir geben zu können, mußte ich erschrocken Luft holen wegen der Männerkleidung auf dem Bett und dem Gesang eines "Operntenors" aus dem Badezimmer. Der Hotelangestellte, der für die Reservierungen zuständig war, hatte irrtümlich mein Zimmer einem anderen gegeben. Ich mußte in das letzte verfügbare Zimmer übersiedeln, in dem eine Glasscheibe im Fenster fehlte. Ich konnte die Katzen auch nicht ins Badezimmer sperren, es hatte keine Tür! Für mich endete das damit, daß ich die ganze Nacht das Fenster bewachte. Trotzdem waren am Morgen die Katzen verschwunden. Mich ergriff Panik. Nachdem ich buchstäblich das Zimmer zerlegt hatte, entdeckten meine Freunde und ich, daß die Katzen sich in ein Loch der Federkernmatratze verkrochen und es sich dort gemütlich gemacht hatten. Es waren alle vorhanden, doch Pushkin fehlte. Ich rannte in die Hotelhalle und konnte gerade noch sehen, wie er einen offenen Fahrstuhl betrat. Die Türen schlossen sich und er fuhr hinunter. Bevor ich noch das Stiegenhaus gefunden hatte, kam der Aufzug zurück herauf und mein Kater stolzierte ruhig von dannen, unberührt von seinem Abenteuer." Das war aber noch nicht alles! Es war das erste Mal, daß Coonies in New Hampshire ausgestellt waren und dementsprechen groß war das Interesse des Publikums. Da kam jemand mit einem Mikrophon zu Sonya und fragte, warum diese Rasse, die doch bei den Besuchern so gut ankommt, so lange nicht anerkannt wurde. Die Antwort Sonyas kam prompt: Ursache waren Langhaarzüchter, die nicht wollten, daß eine andere Langhaarrasse in ihr Territorium einbrach... Sonya hatte keine Ahnung, daß das Teil einer Radioübertragung werden sollte, die später über das Lautsprechersystem der Ausstellungshalle wiederholt wurde...

... Von nun an mußte Sonya einiges anhören als sie von Ausstellung zu Ausstellung reiste: "That cat, Dauphin is here", oder "Here comes that crazy lady with her Maine Coons". Und der Name "barn cat" war noch ein Kompliment im Verhältnis zu anderen "Kosenamen", die man Dauphin gab "That long-haired stray" oder "that garbage can cat". Aber wie Sonya sagte: "Geht es hart weiter, gehen die Harten weiter... Je mehr jemand "nein" sagt, umso härter streite ich!" Und natürlich ging Dauphin, von dem Sonya überzeugt war, daß er hinsichtlich des Maine Coon Typs seiner Zeit voraus war, und heute noch ein Sieger auf Ausstellungen sein könnte, weiter auf Ausstellungen. 1972 trat Sonya einem ACFA Klub bei und wurde in der Folge zur Präsidentin des "Friendly Felines Cat Club" gewählt.

Langsam begannen mehr und mehr Maine Coon Catteries auch auszustellen und am 11. und 12. März desselben Jahres gab es die "show of shows" in Long Island City mit der wahrscheinlich größten Beteiligung von Maine Coons seit deren Anerkennung. Es waren 23 erwachsene Tiere gemeldet worden, unter Einschluß der Zwinger: Mor-Ace, Norwynde, Tati-Tan, War-Tell und Quan-Yin. "... wenn ich heute bei den Ausstellungen herumblicke, sehe ich große Gruppen Maine Coons, dann weiß ich, daß es das alles wert war. Aber in jener Zeit war es eine Menge ordentlicher, harter Arbeit..."

Wie die meisten Foundationzüchter hat Sonya um ihre Tiere ein striktes Linienzuchtprogramm aufgebaut, wobei sorgfältig auf unerwünschte rezessive Gene geprüft wurde. Ihre Linien brauchen Zeit, um sich zu entwickeln.Gesundheit und kräftiger Knochenbau gehörten immer selbstverständlich zu ihren Linien, ebenso wie die ganz besondere Beschaffenheit des Felles und der ganz bestimmte Kopftyp. "Wenn die Größe dazukommt", meint Sonya, "muß sie als Bonus gewertet werden, es dürfen ihr aber keine anderen Qualitätsmerkmale geopfert werden..."


Tati-Tan Coquette De France

Coquette, ein Mädchen, das nur 2.9 kg
wog, ohne Probleme Grand Champion
wurde und einige wunderbare, große
rote Söhne hervorbrachte,
Eltern: Dauphin und Tatiana

"...Wegen der eingebildeten Größe sind viele Leute enttäuscht, wenn sie die wirklichen Katzen sehen. Es ist eine Schande, daß viele Besucher, Aussteller und sogar Richter noch immer die größte Katze als die "beste" ansehen. Ich finde das beunruhigend, da es die Züchter dazu führen könnte, auf größere, gröbere Katzen hinzuarbeiten, die die Feinheit und Süßigkeit des Ausdrucks vermissen lassen, der das Besondere der Rasse ausmacht..."

"...einige Züchter bringen derzeit Maines mit längeren Schnauzen hervor, wahrscheinlich, um ihnen ein hundeähnliches Aussehen zu verleihen. Der süße Ausdruck, einstmals ein geschätzter, wesentlicher Bestandtelil dieser Katze, verschwindet allzuschnell in eine Erscheinungsform der Vergangenheit. Im Lauf der Geschichte hat der Mensch immer den Drang gehabt, zu verändern oder zu zerstören, was schön ist..."

Es beunruhigte Sonya, daß der Versuch, eine viel größere Katze zu schaffen, zum Schaden für ihre normalen körperlichen Funktionen werden könnte, verantwortlich auch für HD... Auch die Beobachtung, daß als Ergebnis immer wiederkehrender Inzucht die Langlebigkeit der Rasse auf der Strecke bleiben könnte, bereitete ihr Sorge.

Trotzdem war sie optimistisch. Sie freute sich, heute größere Gruppen und bessere Maine Coons bei den Ausstellungen zu sehen, daß seit 1976, als die Rasse auch in der CFA anerkannt wurde, ein mächtiger Fortschritt insgesamt gemacht wurde und sprach die Hoffnung aus, daß mit fortgesetzter Hingabe der Züchter, die hart und ehrlich an der Arbeit sind, die Rasse dem Standard sicher immer näher kommen würde. Einen Grund für den Fortschritt sah sie auch darin, daß nach Abschluß der offenen Registrierungen die Möglichkeit gegeben ist, durch Stammbaumstudium für das Zuchtprogramm einen besseren Einblick in die Genetik zu gewinnen.

"...Die Züchter von heute haben kaum eine Vorstellung von den Anstrengungen unter Schweiß und Tränen, ganz abgesehen von der finanziellen Belastung, die notwendig waren, dieser einmaligen Katze ihre verdiente Anerkennung zu verschaffen..." Wir sollen alles tun, sie ihrem Standard immer näher zu bringen, aber wir sollen sie in ihrer ganz bestimmten wunderbaren Eigenart nicht verändern...

Sonya hat all die Jahre hindurch weiter gezüchtet, weiter ausgestellt. Sie hatte viele Erfolge zu verzeichnen. Dauphin de France of Tati-Tan war Amerikas erster Maine Coon Grand Champion und somit erster Maine Coon Grand Champion der Welt. Er War die erste Maine Coon Katze seit der Bildung des MCBFA, die die Plakette "Best Maine 1969-70" erhielt.


Tati-Tan Beau Brummel

GRC Tati-Tan's Beau Brummel war drei Jahre hintereinander, 1983, 1984 und 1985 CFA Best Maine in der Nordatlantik Region...

Seinen Tod am Ostersonntag 1990 hat Sonya nur sehr schwer verwunden, aber nach einem Zehnerwurf zwei Jahre später, von denen alle überlebten, nahm sie wieder voll am Austellungleben teil.


Tati-Tan Tigre

3 Buben wählte sie dazu aus: die beiden Brüder Tati-Tan's Tigre, Tati-Tan's Silhouette und deren Halbbruder Tati-Tan's Bon Chance. (Er hat eine andere Mutter.)


Tati-Tan Silhouette

Tigre und Silhouette stammen aus der gleichen Verpaarung wie unsere beiden 1996 geborenen Mädchen Chanteuse und Chansonnette (auch ein Neunerwurf).


Tati-Tan Bon Chance

Alle drei Buben wurden Grand Champions, Silhouette und Bon Chance National Winners 1997.

Ende 1996 zog sich Sonya 70jährig aus dem Berufsleben zurück und übersiedelte von Long Island City NY in das Haus von Freunden nach Wanaque New Jersey. Sie hat sich sehr auf das Leben auf dem Land gefreut und daß sie nun viel Zeit für ihre Tiere haben würde. Ihre Katzen konnten vom Fenster aus Waschbären beobachten. Einmal schickte sie mir ein Foto von einem hübschen bicolor Skunk, dem sie Futter hingestellt hatte. Ja, sie bekam sogar Besuch von einer Bärenmutter!

Sonya erzählte: "Ich saß im Garten, auf einmal hört ich einen lauten Tumult. Ich lief hin um zu schauen und da, nicht mehr als zwei Fuß entfernt, stand die Bärenmutter vor mir und brummte mir laut ins Gesicht. Sie hatte ihre drei Jungen bei sich und Bären sind sehr darauf bedacht, ihre Jungen zu beschützen. Ich blieb regungslos stehen, gab keinen Laut von mir, sagte mir nur immer selbst: Ganz ruhig, nicht bewegen! So lief sie mit ihren Babies davon. Sie muß 400-450 Pfund gewogen haben und über 6 Fuß groß gewesen sein. Ich denke, sie hat sich mehr vor mir gefürchtet als ich vor ihr."


Die beiden Brüder Soleil und Majique

Die Brüder unserer Mädchen Tati-Tan's Soleil und Tati-Tan's Majique waren die nächsten, die Ausstellungskariere machten. Sie waren ebenso erfolgreich wie ihre älteren Brüder.


Tati-Tan Cloche und Tati-Tan Eliza bei einer show

In Wanaque hatte Sonya noch zwei Würfe: einen davon Februar 1997, wieder 9 Babies. Zwei Mädchen, Cloche und Eliza, hat sie aus diesem Wurf behalten, ihre ersten weiblichen GRC nach vielen Jahren.


der letzte Wurf, Jänner 1999

Den letzten Wurf hatte sie im Jänner 1999. Er war von Cloche und Butch Cassidy, dem Kater ihres Freundes.

Renoir, den sie aus diesem Wurf behielt, war ihr letzter Austellungskater. Ein Finale hat ihm nach ihrer letzten Show im Juli 2000 noch zum GRC gefehlt.

An ihrem 73. Geburtstag im Oktober 1999 hatte sich ihre Krankheit erstmals bemerkbar gemacht. Im Dezember stellte sich Herpes Zoster ein mit schier unerträglichen Schmerzen. Daneben mußte sie auch noch den Tod einiger ihrer geliebten Coonies verkraften. Im April 2000 starb völlig unerwartet ihr Vermieter, der inzwischen zu einem Freund geworden war. Sie mußte mit ihren Tieren zu ihrem Sohn übersiedeln. Alles zusammen hatte ihre Kraft erschöpft. Ich weiß nicht, ob sie jemals noch alle ihre Sachen ausgepackt hat...


Tati-Tan's Renoir

An ihrer letzten Show konnte sie nur mehr unter großen Schmerzen teilnehmen und hat, wie sie schrieb, viel geweint. Sie hat wohl im Grunde schon gewußt, wie es um sie stand, wenn sie auch zu dieser Zeit noch nicht aufgeben wollte und noch immer Pläne hatte.

Im September kam ihr letzter Brief, nur wenige Zeilen, sie konnte wegen der Schmerzen nicht mehr schreiben und kaum mehr das Bett verlassen. "...More when I can..." Sie konnte nicht mehr. Wir haben noch telephoniert.

Im Jänner erhielt ich von Dennis einen Brief. Sonya war im Krankenhaus. Es ging ihr sehr schlecht. Sie hatte aufgegeben. Am 1. Februar 2001 ist sie hinübergegangen, um "über der Regenbogenbrücke" all die Ihren, die sie geliebt hatte, wiederzusehen.

Bis zum Schluß war ihr nichts auf Erden wichtiger als ihre Coonies und deren Wohlergehen. Sie waren ein Teil ihrer selbst, für sie der wichtigste Teil ihrer selbst und ihre Ausstellungserfolge waren wohl auch deshalb so wichtig für sie, weil sie eine Bestätigung darstellten, daß ihr Lebenswerk gelungen war. Dabei äußerste sie sich immer sehr bescheiden, nie überheblich. Wichtig waren nur die Coonies und die Arbeit an ihnen...

"In a sense you can say my mother left a part of herself when she died. This was her cats."

Nun liegt die Verantwortung für diese wunderbare Rasse bei uns, die wir sie auch eine Weile begleiten dürfen auf dem Weg durch die Zeit...



© Die Verwendung von Text und Bildern, auch auszugsweise, sowie Vervielfältigungen mit drucktechnischen oder elektronischen Mitteln, ebenso wie übersetzungen in andere Sprachen sind nur mit ausdrücklicher Erlaubnis der Autorin gestattet (admontem@maine-coon.at).