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Wie die Fife die Maine Coon anerkannte

Ein Zeitzeugenbericht von Gideon und Erika Gautschi

Die erste Maine Coon in der Schweiz
oder
Am Anfang war die Findelkatze

Da wir jahrelang Findelkatzen aufzogen und mit den schönsten Exemplaren bei Ausstellungen mit Erfolg konkurrierten, hatten wir den Wunsch, auch eine Rassekatze zu besitzen.


Anatolien kittens

Kittens von Picasso und Lynda:
Regina, Rosina und Rebekka

Wir wurden in einem Inserat fündig, wo ein Wurf Birma-Katzen zu verkaufen war. Wir meldeten uns und hatten das Glück, das letzte Jungtier zu erwerben. Auf unsere Frage, weshalb das Katerchen keine weissen Abzeichen an den Pfötchen hätte, erklärte uns die Züchterin, diese wären im Standard nicht mehr verlangt. Als wir den Stammbaum sehen wollten, hiess es, der würde in Schweden ausgestellt und es dauere sicher ein halbes Jahr, bis er hier sei. Nun....als Laie mussten wir das glauben und wir liessen uns überreden, den Kleinen als Siamesen(!!!!) auszustellen. Wie waren wir damals, 1975, stolz, als er mit *Sehr gut* bewertet wurde. Da er weder Birma-Abzeichen besass, noch einen Siam-Kopf hatte, wurde uns geraten, ihn als Colour-Point auszustellen. Da er kurzhaarig war, wurde er kurzerhand in die Hauskatzenklasse zurück versetzt. Die Züchterin (wenn man dem so sagen darf) meinte höhnisch, ja wusstet ihr denn nicht, dass es für diese Katze keinen Stammbaum gibt?

Päng - das war's..... Da schauten wir dann endlich in der Literatur nach , was es als Gefallenes und Ausgefallenes so gab. In einem alten Büchlein sahen wir eine schöne, gemalte Katze, die als türkische Katze bezeichnet war. Da diese Rasse bei uns nicht bekannt war, machten wir uns auf die beschwerliche Suche nach diesem schönen Tier. Die damalige Fife- und FFH-Präsidentin, Frau Pia Hollenstein, vermittelte uns Adressen in England. Nach verscheidenen Besuchen in England, gelangten wir an die Adresse eines Züchters in Holland. Nach einem regen Briefwechsel wurden wir stolze Besitzer eines türkischen Katers, denn damals war der Name VAN noch nicht geläufig. Eigentlich wollten wir nur eine schöne Katze zum kastrieren und ausstellen, aber Besserwisser meinten, es wäre doch schade um dieses schöne Tier. Wir liessen uns überzeugen und so besorgten wir noch eine Kätzin.

Das war der Anfang vom harmlosen Aussteller zum Züchter.............


Sundar Lynda

Sundar Lynda

In dieser Zeit hatten wir auch die *Cat-World* aus Amerika abonniert und wir liebäugelten mit einer Maine Coon. Wir stiessen auf die Adresse des Präsidenten des MC-Cat-Clubs und er empfahl uns die Züchterin Mrs.Phyllis Voth in Pardeeville, Visconsin. Nach einem kurzen Briefwechsel besuchten Freunde von uns die Züchterin in Amerika, die gerade Jungtiere hatte und so wurde am 7.Februar 1978 Sundar Lynda, mit viereinhalb Monaten Schweizerin.

Im April 1978 besuchten wir in La Chaux-de-Fonds mit Lynda ihre erste Ausstellung. In diesen Jahren war weder die MC anerkannt, noch gab es eine Semi-Langhaar-Klasse. So wurde Lynda als Perser irregulär 13a gerichteet. Die Richterin, Frau Heuser, stellte folgenden Richterbericht zusammen:

Typ: sehr schlank, entspricht nicht der Körperform der Perser
Kopf: Keilförmig und spitz
Augen: grüne Augen
Ohren: viel zu gross und hoch
Fell: halblang, leicht gestromt, sandfarben am Bauch, weisses Kinn
Schwanz: lang, zum Gesamteindruck passend
Kondition: Dieses Jungtier kann weder farblich noch vom Typ her eingeordnet und deshalb nicht bewertet werden

Die Richterin meinte nachher, schade für das schöne Jungtier, aber sie wusste nicht, dass das eine MC war, aber sie wüsste einen schönen Norweger-Kater, der gut zu dieser Katze passen würde (!!!!) Wir waren froh, dass wir schon eine Adresse für einen Kater hatten!

Im August 1981 wurde sie in Wiesbaden von Mr. Swanson in der Kategorie *andere Langhaar* 13a gewertet. Sein Befund war V1 und Rassesieger. Lynda hatte damals gegen die Somalis gewonnen!


Picasso Of Clowder

Picasso of Clowder

Der zukünftige Mann für Lynda hiess Picasso of Clowder und sein Züchter war Larry Page in Appelton, Visconsin. Picasso kam am 17.August 1978 im Alter von sechseinhalb Monaten zu uns.

Seine erste Ausstellung war im Oktober 1978 in Luzern. Seine erste Richterin war Frau Sattler mit folgender Bewertung:

Typ: sehr guter Typ, kräftig
Kopf: sehr gute Form, sehr gutes Kinn
Augen: sehr gute Form, sehr gute Farbe
Ohren: sehr gut plaziert, sehr gute Form
Fell: sehr gute Qualität, glänzend, sehr schönes Schwarz
Schwanz: sehr gute Länge, sehr gut behaart
Kondition: ex. vorgestellt

Somit wurde Picasso auf Platz 1 gestellt!

Im März 1979 bekam er in Mannheim von Frau Radius ein V1. Auf unsere Frage, weshalb diese Bewertung, sagte sie uns, sie hätte demonstrativ ein V1 gegeben, denn es wäre wirklich an der Zeit, diese Rasse anzuerkennen.

Somit wurde der *KICK* gegeben, gleichgesinnte zu suchen, um diese Rasse zur Anerkennung zu bringen.


Jupiter v. Anatolien

Jupiter v. Anatolien

Auf einer Ausstellung in Deutschland lernten wir Familie Simon, Familie Reimann und Familie Jung kennen, die auch MC züchteten. Nach angeregten Gesprächen kamen wir überein, etwas für die Maine-Coons tuen zu müssen. Nun, da die Kampfgenossen gefunden waren und die erste IG-Maine-Coon aktiv geworden war, gab es zuerst noch eine andere Hürde zu nehmen. Nämlich die Schaffung einer eigenen *Best in Show* für die Halblanghaar, denn bei der BiS *schifften* wir mit unseren *Türken* zwischen den Persern und den Colour-Point jedesmal erbärmlich ab.

Nach diesbezüglichen Diskussionen mit den Herren Jimmieson (damals Fife-Präsident und Vorsitzender des 1. DEKZV) und Wassilieff (Präsident der FFH) stellten wir den Antrag für eine eigene Best in Show für die Halblanghaar-Katzen. Der Ausdruck *Semi-Lang* kam erst später, bei der Modernisierung der *Katzensprache* in Gebrauch. Damals war es auch nicht so kompliziert, Anträgee an die Fife zu stellen. Dank unserer guten Beziehungen zu diesen beiden Herren, ging unser Antrag auch ohne grosse Schwierigkeiten über die Bühne. Mit gleicher Post stellten wir zusammen mit Simons einen ersten Antrag für die Anerkennung der Maine-Coon.

Am 1.Januar 1982 wurde die Kategorie *Halblanghaar* zur Freude Aller auch eingeführt.


Omar v. Anatolien

Omar v. Anatolien

Um genügend Maine-Coons vorstellen zu können, reisten wir mit vier Tieren nach Berlin. Auch mussten wir damals für die Anerkennung 30 Richterberichte vorweisen. Simons sammelten alle Berichte und versuchten einen ersten Antrag über den 1.DEKZV. Aber irgend etwas lief schief und der Antrag wurde verschlafen.

Ein Jahr später namen wir einen zweiten Anlauf und wir stellten nochmals, mit Simons zusammen, von der Schweiz aus einen neuen Antrag. Bei der Fife-Versammlung im November 1982 in Wiesbaden wareen wir natürlich auch zugegen. Wir wurden von Herrn Jimmieson sehr nett empfangen und den ganzen Tag gratis bewirtet. Bei Kaffee und Gipfeli konnten wir uns mit den Deligierten aus allen Ländern unterhalten und unserem Wunsch, dem Antrag zuzustimmen, mit all unserem Charme Nachdruck verleihen......

Der erste Maine-Coon-Wurf der in der Schweiz geboren wurde (1979) bestand gleich aus 5 Katern: Hannibal, Harlekin, Herkules, Hermes und Habin. Der ersten drei genannten wurden Berliner. Da wir damals nur wenige Züchter waren, war das Verhältnis untereinander sehr herzlich und neidlos...........


Jasmin v. Anatolien

Jasmin v. Anatolien

Die leider weniger schöne Seite von Heute: Es gibt unter den heutigen Züchtern viele Neider, die viel Geld investieren um auf Ausstellungen die Grössten zu sein. Es ist sicher keine Kunst, mit einem Haufen Geld überall schöne Tiere einzukaufen um bei Ausstellungen angeben zu können. Da lob ich mir die Züchter, die ihre Tiere aus eigener Zucht auf die Bühne bringen können.......

Ich hoffe, dieser Bericht hat einen kleinen Einblick in die Anfänge unserer Maine's gegeben und wir wünschen, dass statt des Neides die Liebe und Zusammenarbeit, im Interesse der Rasse, an erster Stelle steht.

Die Maine Coon hat es verdient..........



© Gideon Gautschi, Von Anatolien.
Reprinted with permission.